31 Okt. Weltnaturkonferenz COP17: Einigung in letzter Minute – doch beim Artenschutz fehlt weiterhin der politische Wille zur Umsetzung
Jerewan / Brüssel, 31. Oktober 2026 – Nach zähen Verhandlungen haben sich die Staaten auf der Weltnaturkonferenz COP17 in Jerewan in letzter Minute auf gemeinsame Beschlüsse zur Umsetzung der globalen Biodiversitätsziele verständigt. Ein diplomatischer Erfolg, doch der große Durchbruch beim Artenschutz bleibt aus. Insbesondere bei der Finanzierung des Naturschutzes und beim Abbau umweltschädlicher Subventionen fehlen weiterhin verbindliche Fortschritte. Zu den Ergebnissen gehören auch mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar an angekündigten Finanzierungszusagen für den Naturschutz.
„Es ist gut, dass sich die internationale Gemeinschaft nach schwierigen Verhandlungen auf gemeinsame Beschlüsse verständigt hat. Aber angesichts des dramatischen Artensterbens reicht das Ergebnis nicht aus.“
Manuela Ripa, ÖDP-Europaabgeordnete
Die Weltgemeinschaft hatte sich bereits 2022 verpflichtet, bis 2030 jährlich mindestens 200 Milliarden US-Dollar für den Biodiversitätsschutz zu mobilisieren und den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten und umzukehren.
„Wir brauchen keine neuen Versprechen, sondern endlich die Umsetzung bestehender Verpflichtungen. Die Ziele für 2030 sind längst beschlossen. Jetzt müssen die Staaten handeln.“
Manuela Ripa
Internationales Engagement macht Hoffnung
Aus ihrer Teilnahme an der Konferenz zieht Ripa eine gemischte Bilanz:
„Für mich war beeindruckend zu sehen, wie intensiv sich die internationale Gemeinschaft mit dem Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen beschäftigt. Wir haben uns mit Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank, mit Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Jugendorganisationen und Vertretern indigener Völker ausgetauscht. Auch Staaten wie China, Panama und verschiedene afrikanische Länder haben uns von ihren Anstrengungen zum Schutz der Biodiversität berichtet. Weltweit gibt es viel Engagement, Wissen und konkrete Projekte. Das macht Hoffnung.“
Manuela Ripa
Umso ernüchternder sei es, dass sich dieses Engagement auf politischer Ebene nicht ausreichend in konkreten Maßnahmen niederschlage.
„Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Auch bei den angekündigten Finanzierungszusagen müssen wir genau hinschauen: Was davon wird tatsächlich ausgezahlt? Welche Projekte werden damit umgesetzt? Und welche Verbesserungen für die Natur werden dadurch erreicht?“
Manuela Ripa
Nature Credits: Naturschutz darf nicht zur Handelsware werden
Viel Aufmerksamkeit erhielt in Jerewan die Initiative zu sogenannten Nature Credits (Naturgutschriften), die EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall gemeinsam mit Frankreich und Peru vorstellte. Damit sollen zusätzliche private Investitionen in den Naturschutz mobilisiert werden, indem etwa die Wiederherstellung von Mooren oder anderen Lebensräumen finanziell honoriert wird.
„Es ist richtig, neue Finanzierungsquellen für den Naturschutz zu erschließen und Umweltschutz und Wirtschaft zusammenzudenken. Aber Natur darf nicht zur beliebig austauschbaren Handelsware werden. Ein zerstörtes Moor lässt sich nicht einfach durch ein Projekt an anderer Stelle ersetzen. Nature Credits müssen zusätzlichen Naturschutz finanzieren, dürfen aber weder gesetzliche Schutzpflichten ersetzen noch Schäden rechnerisch ausgleichen. Private Investitionen können öffentliche Mittel ergänzen, aber nicht ersetzen.“
Manuela Ripa
Umweltschädliche Subventionen endlich abbauen
Ein besonders umstrittenes Thema war der Abbau umweltschädlicher Subventionen. Zwar verständigten sich die Staaten auf einen gemeinsamen Beschluss, doch neue verbindliche Verpflichtungen oder ein konkreter Fahrplan zum Abbau schädlicher Subventionen fehlen weiterhin. Die armenische COP17-Präsidentschaft brachte zudem eine freiwillige politische Initiative auf den Weg: „Friends of Target 18″, einen neuen Anlauf, um Reformen voranzubringen.
Bereits 2022 hatten sich die Staaten verpflichtet, biodiversitätsschädliche Anreize bis 2030 um mindestens 500 Milliarden US-Dollar jährlich zu reduzieren.
Wie dringend ein Umsteuern notwendig ist, zeigt ein aktueller Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP: Für jeden Dollar, der weltweit in naturbasierte Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen investiert wird, fließen mehr als 30 Dollar in Wirtschaftsaktivitäten und Subventionen, die der Natur schaden.
„Es ist ein positives Signal, dass der Abbau umweltschädlicher Subventionen endlich stärker in den Mittelpunkt rückt. Denn wir können nicht auf der einen Seite Geld für den Naturschutz mobilisieren und auf der anderen Seite mit einem Vielfachen davon seine Zerstörung finanzieren. Das ist doch völlig widersinnig.“
Manuela Ripa
Biodiversitätsschutz müsse deshalb endlich zu einem festen Bestandteil der Wirtschafts- und Haushaltspolitik werden.
„Wir brauchen eine grundlegende Neuausrichtung unserer Finanzströme. Die Staaten müssen umweltschädliche Subventionen abbauen, konkrete Reformpläne vorlegen und ihre Förderpolitik verändern. Freiwillige Absichtserklärungen reichen nicht aus. Der Abbau schädlicher Subventionen ist mindestens genauso wichtig wie die Mobilisierung zusätzlicher Naturschutzmittel.“
Manuela Ripa
Europas Glaubwürdigkeit hängt von der Umsetzung ab
Die EU müsse dabei auch vor ihrer eigenen Haustür kehren, unterstreicht Ripa.
„Wir können international nicht mehr Naturschutz einfordern, wenn wir zu Hause notwendige Maßnahmen und Finanzierungen infrage stellen. Europa muss eigene schädliche Subventionen abbauen und seine Verordnung zur Wiederherstellung der Natur konsequent umsetzen. Auch die künftige europäische Agrarpolitik und der nächste EU-Haushalt müssen den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen stärker berücksichtigen.“
Manuela Ripa
„Die vielen Begegnungen in Jerewan haben mir gezeigt, wie groß das Engagement für den Naturschutz weltweit ist. Aber wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, immer wieder dieselben Ziele zu bekräftigen. Die entscheidende Frage ist nicht, was wir versprechen, sondern was wir tatsächlich umsetzen. Daran müssen wir auch Europa messen.“
Manuela Ripa