03 Sep. Pestizid-Anhörung im Europaparlament: Wichtige Stimmen haben gefehlt
Gestern wurde im Europäischen Parlament über den Food and Feed Omnibus und damit auch über weitreichende Änderungen bei der Genehmigung von Pestizidwirkstoffen diskutiert. Leider war die Anhörung aus meiner Sicht deutlich zu einseitig.
Vor allem zwei Perspektiven kamen viel zu kurz: die ökologische Landwirtschaft und die gesundheitlichen Auswirkungen von Pestiziden. Besonders unverständlich: Auf dem Panel saß kein einziger Gesundheitsexperte.
Dabei wissen wir immer mehr über mögliche gesundheitliche Folgen. In Deutschland wurde Parkinson nach langjähriger beruflicher Exposition gegenüber Pestiziden inzwischen sogar als Berufskrankheit anerkannt. Gerade vor diesem Hintergrund ist es schwer nachvollziehbar, dass die gesundheitliche Perspektive bei einer Anhörung zur Zukunft der Pestizidzulassung praktisch keine Rolle spielte.
Gleichzeitig waren die konventionelle Landwirtschaft und die Industrie stark vertreten. So entsteht keine ausgewogene Debatte über ein Thema, bei dem es um weit mehr als Bürokratieabbau geht. Es geht um unsere Gesundheit, unsere Umwelt, die Artenvielfalt – und auch um die Frage, wie eine Landwirtschaft mit weniger chemisch-synthetischen Pestiziden funktionieren kann.
Gerade deshalb müssen auch diejenigen gehört werden, die zeigen, dass Landwirtschaft mit deutlich weniger Pestiziden möglich ist. Und wenn über eine grundlegende Veränderung der Pestizidzulassung gesprochen wird, müssen gesundheitliche Risiken einen zentralen Platz in der Debatte haben.
Denn die Vorschläge der Kommission gehen weit: Für einen großen Teil der Pestizidwirkstoffe könnten künftig unbefristete Genehmigungen gelten. Auch Wirkstoffe wie Glyphosat könnten davon erfasst werden.
Über derart weitreichende Änderungen zu beraten, ohne die gesundheitliche Perspektive und die Auswirkungen auf die Artenvielfalt angemessen einzubeziehen, halte ich für falsch. Bürokratieabbau darf nicht zum Abbau von Schutzstandards werden.
Positiv war: Weitgehend Einigkeit bestand darüber, dass viel mehr für Innovationen und die Entwicklung von Alternativen getan werden muss. Die biologische Schädlingsbekämpfung als Teil eines Integrierten Pflanzenschutzes kann meiner Meinung nach ein wichtiger Weg vorwärts sein. Gleichzeitig gibt es durchaus Wege, Zulassungsverfahren effizienter zu machen und Behörden zu stärken, ohne die Sicherheit für Mensch und Natur zu kompromittieren.
Ich werde mich dafür einsetzen, dass beim Food and Feed Omnibus Gesundheit, Umwelt und Artenvielfalt nicht unter die Räder kommen – und dass auch die ökologische Landwirtschaft die Stimme bekommt, die sie in dieser Debatte verdient.